Aber was kannst du denn noch?

So. Da isse wieder. Seit Tagen überlege ich hin und her was ich nun tue. Beziehe ich mein neues veganes Leben in meinem Blog ein, oder mache ich nen neuen Blog.

Da ich erstens ganz tolle Kommentare unter dem letzten Artikel hatte, die mich in meiner Entscheidung, zu der ich jetzt kam bekräftigten und da sich einfach mein ganzes Leben geändert hat und nicht nur meine Essweise, habe ich beschlossen keinen neuen Blog zu machen, sondern das hier mit einzulagern.

Vegan werden heißt nicht nur keine tierischen Produkte mehr zu sich zu nehmen. Für mich jedenfalls nicht. Es hat einfach Auswirkungen auf mein komplettes Leben und mein Umfeld und da dieser Blog mein Baby und eine Art Tagebuch für mich ist, werde ich das hier bloggen.

Ich werde aber alle veganen Beiträge am Anfang mit einem [V] kennzeichnen, so kann jeder, der das Thema meiden möchte einfach wegscrollen.
Aber ich hoffe, dass meine Leser mich weiterhin begleiten und diesen neuen Weg mit mir zusammen gehen.
Und auch wenn ich momentan in der Küche vieles ausprobiere werde ich darauf achten, dass das hier kein reiner Foodblog wird ^^

Ich will auch mit dem Nachfolgenden niemanden bekehren. Ist nur mein kleines Leben und mein kleines Dasein.

Ich möchte mal beginnen mit ein paar Fragen die mir andauernd gestellt werden. Wie zum Beispiel:

 

Vegan? Was kann man denn da noch essen? Bleibt da noch was übrig?
Ich muss immer lachen wenn ich das höre. Wie sagt eine vegane Kabarettistin (Namen vergessen argh) so schön: ZUM SCHEIßEN REICHTS. xD
Wenn ich früher einkaufen ging, tat ich das nicht gerne. Du kommst in den Laden und wirst erschlagen von der Masse. Ich war oft einfach überfordert. Was nehm ich denn jetzt mit? Es war mir einfach zu viel. Und auf nichts hatte ich wirklich Lust. Nun komme ich in einem Laden und weiss erstens ganz genau was ich brauche, was ich will und vor allem was ich nicht will.
Dabei ist es nun nicht so, dass mir nichts mehr bleibt. Meine Bedürfnisse haben sich nur verlagert. Ich kann genau so viel essen wie jeder Fleischesser.
Wahr ist, dass ich nicht alles kaufen kann und in Discountern wie Lidl gibts es kaum was für mich, einfach weil das Sortiment total fürn Arsch ist.
Ich bekomme kaum Frisches, von allem ist nur der Standard da. Das ist nicht nur langweilig, es ist auch echt blöd. Keine Sojaprodukte, kein Tofu, kein Vleisch, keine Vurst, kein Keese. Das Einzige was ich da noch kaufen gehe ist Futter für die Schweinchen. Dabei war ich vorher NUR bei Lidl und seltenst woanders….

Man verhungert als Veganer halt nicht…

PicMonkey Collage

Und wo bekommst du dein EIWEIß jetzt her?
Eine meiner Lieblingsfragen.
Eiweiß, bzw Protein, ist essenziell für den Körper. Es gibt sehr viele Möglichkeiten für Veganer an ihr Eiweiß zu kommen. Da das ein sehr umfangreiches Thema ist, empfehle ich Interessierten mal HIER zu klicken 🙂 Sehr interessant! 

Darfst du jetzt nur noch Bio?
Es gibt Veganer die von Vastfood leben. Das ist ungesund. Nur von Bio muss man aber auch nicht leben. Ich kann mir nur Bio nicht leisten. Dennoch gehe ich zB oft ins Alnatura Kaufhaus. Weil deren Sortiment das meiste hat was ich benötige um mich ausgewogen zu ernähren und weil ich einfach schon immer Fan der Produkte war. Dass das alles Bio ist, ist eher ein netter Nebeneffekt. Aber ich kaufe das Meiste bei Kaufland ein. Da ist nicht alles Bio, aber nur weil etwas nicht Bio ist, ist es nicht gleich ungesünder.

Wirst du jetzt zum Öko oder was?
Also erstmal finde ich diese Frage immer total krank. Was ist daran bitte falsch ökologisch und nachhaltig leben zu wollen?! Dieser Planet ist geliehen, wir besitzen ihn nicht. Es ist nicht alles UNSERS und wir können alles kaputt machen wie wir bock haben. Ich finds gut, wenn Menschen nachhaltig leben. Durch das Fernsehen und das sich drüber lustig machen hat das einen schlechten Ruf bekommen, dabei sollten wir uns alle mal ein Beispiel daran nehmen.
Ich bin kein Öko. Ich habe einen Fernseher, ein Smartphone, ich bin ein moderner Mensch mit allen negativen Attributen. Ich fahre Auto und verschmutze die Umwelt. Früher habe ich meine Einkäufe zu Fuß gemacht, aber das kann ich körperlich nicht mehr.
Ich bin kein Öko, aber diese Menschen verdienen mMn unseren Respekt und nicht unser Gelächter.

Was ist mit Kosmetik und so? Auch Vegan oder schummelst du da? 
Ich achte schon seit Jahren drauf tierversuchsfreie Kosmetik zu kaufen. Bis auf ein paar Ausrutscher ist mir das auch ganz gut gelungen. Dennoch habe ich einiges aussortiert, als ich mich für Vegan entschieden habe. Denn Tierversuchsfrei heißt nicht vegan. Und wenn ich mir nicht sicher war, habe ichs im Zweifelsfall halt rausgeschmissen.
So kamen jetzt knapp 100 Nagellacke zusammen, ein paar Duschgels und ca 20 Lippenstifte, plus einige Lipglosse.

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Allerdings habe ich dafür Abnehmer. Es kommt nichts in den Müll.
Putzmittel werden auch noch aussortiert, aber da stieß ich jetzt an meine finanziellen Grenzen. Es ist kein Geld da um die auszutauschen, muss bis nächsten Monat warten.
Mir wurde gesagt, ich übertreibe es. Ich kann nicht alles ändern. Klamottentechnisch zB habe ich klare Grenzen. Finanziell gesehen. Ichkaufe mir aber eh höchstens 2 Mal im Jahr neue Sachen. Aber was in meiner Macht stehe, was ich aktiv in meinem Leben ändern kann, ändere ich.

Und? Merkste schon was?
Ich bin jetzt seit ca 6 Wochen vegetatisch, bzw seit 5 Wochen vegan. So ungefähr. Ich habe mir kein Datum notiert, ich habs einfach beschlossen. Seit knapp 2 Wochen trinke ich nur noch Wasser. Fand ich vorher immer eklig, mochte ich nie, aber ich habe mich schnell umgewöhnt. 
Mir ging es seit Ewigkeiten nicht mehr so gut und es wird immer besser.
Ich fühle mich wohl. ich fühle mich glücklich. Ich habe schon einiges abgenommen (nicht, weil ich nichts essen kann, sondern weil ich das Richtige esse), ich leuchte wieder von innen. Dieses Leuchten war erloschen. Ich war so totunglücklich in den letzten Monaten. Mir ging es körperlich furchtbar, egal was ich gegessen habe, ich musste noch während dem Essen auf die Toilette rennen, ich konnte nie was essen wenn ich wo hin musste, weil ich ja hätte Darmprobleme bekommen können unterwegs… alles schon passiert.
Mein ganzer Körper war ein einziger Schmerz und ich fühlte kein Glück mehr. Ich war nur müde. Immer. Deswegen wurde es hier auch immer ruhiger.
Nun mache ich das ganze erst sehr kurz, aber ich merke schon, wie mich das grundlegend verändert hat. Wie ich die Kurve nach oben fahre und das immer schneller. 
Mein durchschnittlicher Schmerzpegel ist von 9 auf 7 gefallen. 7 ist erträglich. 7 lässt mich atmen. Ob das einfach eine gute Phase ist, oder mit der Ernährung zusammen hängt wird sich zeigen, aber bei vielen Fibros hilft eine Ernährungsumstellung bei diesem Grundschmerz.
Ich habe mehr Elan, mehr Energie.
Meine Glutenallergie hat sich komischerweise in Luft aufgelöst. Ich konnte seit Jahren nicht mal Graubrot essen. Ich esse nun Vollkornbrot……………
Dass der Fleischverzehr Allergien fördert ist aber auch bekannt.
Ich kann zu jeder Tageszeit essen, auch wenn ich Termine habe.
Es geht mir so viel besser. Zu wissen, dass für MICH niemand mehr sterben muss hilft allerdings auch ein kleines bisschen.

Und woher weisst du was du darfst und was nicht?
Lesen. Lesen, lesen, lesen. Zum Veganer sein gehört zu wissen was man braucht, darf und muss.
Mir macht das tierisch Spaß. Ich lerne eh gern dazu und brauche Input. Ich habe jetzt ein neues Interesse. Ernährung. Ichhabe mir mein eigenes Müsli zusammengemixt, ich achte darauf was ich esse und wann ich was esse. Auch wenn es manchmal noch schwierig ist aus den alten “ich esse nur ein mal am Tag” Trott raus zu kommen. Drei Mahlzeiten am Tag und die Richtigen.
Und im Zweifelsfall hat mein Smartphone jetzt die richtigen Apps. Einmal den Vegan Scanner, mit dem man Strichcodes an Lebensmitteln scannt und der einem sagt obs vegan ist und was drin ist und die App Wer machts. Da kann man Produktnamen eingeben und sie zeigt einem wers macht und obs vegan ist oder tierversuchfrei und wenn nicht, was die Alternativen sind. Perfekt! Und es gibt zahlreiche tolle Listen und Seiten im Internet.

Aber das ist doch alles so teuer, das kann sich doch keiner leisten!
Paperlapapp. Ja, der Einstieg bedarf etwas mehr Ausgaben. Das liegt aber bei mir jetzt einfach daran, dass ich NICHTS hatte womit man vernünftig kochen konnte. Ich habe nie gekocht. Und dann gibts so ein bisschen Schnickschnack den man nicht zwingend braucht, der aber sehr nützlich ist. Und da habe ich noch ein paar Wünsche offen. und überhaupt braucht mein Grundsortiment noch etwas Zeit. und ja, auch Geld. Aber wenn ich alles habe, was ich brauche und will, dann ists auch nicht mehr teuer. Gemüse und Obst und Nudeln, etc… kostet weniger als Fleisch drei mal die Woche.

Denkst du jetzt, du wärst ein besserer Mensch? 
Nein. Ein Serienkiller ist auch kein tollerer Mensch, nur weil er Veganer ist.
Dazu mache ich noch zu viel was diesem Planeten schadet. Aber ja, ich fühle mich gut bei dem Gedanken, dass für mich keine Tiere mehr gequält und getötet werden.
Da ist wohl aber auch nichts verkehrtes dran….

Aber wenn du vegan bist, darfst du nicht mehr dies und dann darfst du auch nicht das….*Zeigefingerfuchtel*
Wisst ihr was mich am meisten nervt? Man muss ja irre viel diskutieren und wird unheimlich oft angefeindet, wenn man offen als Veganer lebt. Deswegen tun es viele versteckt, was einen mal zum Nachdenken anregen sollte.
Aber was am meisten nervt ist, dass gerade Fleischesser auf einmal zu totalen Ernährungswissenschaftlern mutieren, wenn man sagt man ist Veganer und einem aufzählen was man kann und was man nicht kann.
Leute, ehrlich. Die meisten Veganer wissen das. 😉
Ich bin noch Frischling, aber ich habe das Grundwissen verinnerlicht. Sonst hätte ichs auch bleiben lassen können…

 

Aber vermisst du denn nichts?
Nein. Und warum nicht? Weil ich nicht drüber nachdenke, was ich nicht mehr “darf”- Ich denken an die tausendmillionen Dinge die ich jetzt “darf”. Und freue mich über die.
Ich bin aber auch so ein Mensch, ich kann da nen Schalter umlegen und dann hat sich das Thema für mich erledigt. Fleisch ist für mich nicht mehr attraktiv, weil ich an das abgeschlachtete Tier denke. Und deswegen schmeckt mir mein “Pflanzenschnitzel” einfach um Welten besser.
Ich verbinde Gerüche von Fleisch auch nicht mehr mit Lecker. Ich habe keinen Jieper. Ich will es nicht. Anfangs war das noch komisch mit dem Vleisch. Also Pflanzliches Schnitzel eben zum Beispiel. Aber inzwischen habe ich das einfach so verinnerlicht, dass es einfach aus meinem Kopf gestrichen ist. Ich trauere nichts hinterher, ich freue mich auf Anderes.
ich habe mir jetzt einen Bund Karotten gekauft. ich hab noch nie gern Karotten gegessen. Nun tu ichs.

 

Das ist das was ich meine. Es hat einfach mein komplettes Leben verändert. Es hat mich verändert. zum Positiven.
Ich habe total unbeabsichtigt meine Schwester mitgezogen, weil ich einfach so einen Spaß daran habe, und nun ist sie Vegetarierin.
Meine Mutter trauert immer noch ein bisschen ihrem Weihnachtsbraten hinterher, der wird halt klein ausfallen, aber sie ist auch sehr interessiert und unterstützt mich da. Und das ist ein schönes Gefühl und das macht das ganze Negative was so auf einen trifft wieder total wett.

 

Ich habe auch mal gesagt, mein Fleisch lass ich mir nicht nehmen. Ich brauche das, ich will das. Ich bin so froh, dass ich dieses Denken abgelegt habe. *Regenbogenkonfetti schmeiß* 🙂

5 Kommentare bei Aber was kannst du denn noch?

  • Anja Betz  sagt:

    Sehr schön geschrieben. Und für mich total einleuchtend.

  • curineko  sagt:

    Ein toller Beitrag, hab ihn gerne gelesen. Ich finde auch super wie du das alles schaffst und umsetzt. Hatte auch schon ein paar Schritte in diese Richtung getan war dann aber doch nicht so konsequent. Liegt aber auch daran das mein Mann ein großer Fleischfan ist und es mir nicht immer leicht macht. 😡
    Übrigens habe ich die Tage deine Suppe und deinen Kuchen nachgebastelt und bin begeistert. Werde es bestimmt auch noch verbloggen und wieder auf dich verlinken.
    Eventuell sind ja die La Veganista: Lust auf vegane Küche und La Veganista backt Bücher interessant für dich. Dann bekommst du noch mehr Input mit dem du uns da anfixen kannst. *herzchen* So genug gebrabbelt, ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende. Biba.

  • Soni  sagt:

    Ich finde es toll, dass Du durch die Umstellung so grosse positive Veränderungen spürst. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht seit ich fleischlos lebe. Ganz vegan habe ich bis jetzt allerdings nicht geschafft, auf Honig und Käse mag ich bis jetzt nicht verzichten. Alles andere fehlt mir auch überhaupt nicht, es gibt ja so viele Dinge die sehr lecker sind.

    LG Soni

  • Sophia  sagt:

    Ich musste gerade ein bisschen weinen als ich gelesen
    habe wie gut es dir damit geht und welch Freude du nun
    an gesunder Ernährung hast, bzw. auch welche positiven
    Auswirkungen auf deinen Körper nun vonstatten gehen.
    Ich habe mir das immer soooooo sehr für dich gewünscht!
    Schön, dass du deinen Schalter gefunden hast!
    *knutsch*

  • Alexander Glas  sagt:

    Schön geschrieben – und witzig finde ich, dass es mir persönlich genauso ging wie dir mit den Karotten als ich vor 2 Jahren nach 16 Jahren Vegetarier auf vegan umgestiegen bin. Ich mochte sie nie, heute liebe ich Möhren über alles, vor allem aber roh und bestenfalls ungeschält.

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