Kind vs. Kinderlos

Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo man normalerweise (wobei wer definiert was genau normal ist, aber das ist ein anderes Thema) schon mindestens ein Kind hat (oder sich mit der Planung befasst), verheiratet ist und mit beiden Beinen fest im Leben steht.

Das wird von einem jedenfalls mit 30 erwartet, so meine Erfahrung.
Tja, nun bin ich aber das genaue Gegenteil. Alleinstehend und kinderlos schwebe ich in der Gegend herum und mache mir meine Welt wie sie mir gefällt. Naja, ich mache das Beste aus dem mir gegebenen. PicMonkey Collage (2)

Aber so ziemlich mein komplettes Umfeld entwickelt sich in diese Richtung. Heirat, oder gefestigte Beziehung, Kind/er, Job/Karriere. Gut, ich kenne schon immer irgendwie nur Menschen, die jobmäßig voll dabei sind. Und auch, dass meine Freundinnen alle in Beziehungen oder Ehen sind ist nicht neu für mich ^^ Aber die Sache mit den Kindern.

Bis auf zwei, drei Ausnahmen, die so ticken wie ich, purzeln überall die Babys in die Welt.

Fast alle meine Mädels entwickeln sich in diese Richtung und ich stehe am Rand und denke: Okay, macht ihr mal, ich passe. 
Die Frage die man sich stellen muss ist dabei: Mach ich den Kopf zu und lehne das komplett ab, weil ich will keine Kinder also lasst mich damit in Ruhe, oder öffne ich mich für die neuen Entwicklungen und die neuen Interessen meiner Freundinnen?
Ich habe mich für Letzteres entschieden. Denn ich will meine Mädels nicht verlieren dadurch, dass ich mich dem Neuen in ihrem Leben verschließe und darauf beharre, dass man sich eben in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Und was das alles für neue Interessen sind, mit denen man konfrontiert wird…
Tragetechniken, Stuhlgangsehnsüchte (“hach war das schön, als das noch nur Milch bekommen hat, da hat das nicht so gestunken”), Krabbelgruppengeschichten, Popelstorys (“vorhin hat sie genießt und da flog mir ein Popel an die Backe!”), Schlafrhytmuserläuterungen (“Also letzte Woche hat es ja komplett durchgeschlafen. Ist nur 6 mal wach geworden, und zwar um Null Uhr, um zwei uhr siebenunddreißig, um zwei Uhr fünfundfierzig…………”) und natürlich die vielen, vielen, viiiiielen total süßen Dinge, die Kind so macht.
Das zählt by the way auch für Schwangere, die einem erzählen wann wie welche Mutterbänder gezogen haben, wann das Kind wo hin getreten hat, wie sich das anfühlte, wann einem schlecht war, welches Essen man nicht mehr sehen kann ohne zu erbrechen, wie viel Liter Wasser sich inzwischen in den Beinen angesammelt hat und in welchen Positionen das Schlafen nicht mehr möglich ist. Etc, etc, etc, etc. …

Und man sitzt manchmal da und denkt sich: “Bitte nicht schon wieder!” weil man das schon tausend mal gehört hat, von anderen Schwangeren oder Müttern. Und so unendlich viele Dinge, mit denen man null anfangen kann.
 
Man nimmt das halt hin und hört zu und lacht und ist entzückt und macht ganz oft “Aaaaaaawwwww!”. Man versucht die eigenen Interessen etwas anzupassen, wenn man sich mit Müttern unterhält. Man ist ja zum Glück nicht beschränkt in der Anzahl der Interessen die man haben kann. Ich habe halt einfach ein Paar hinzugefügt, weil ich meine Freundinnen liebe.
Ja, es wird manchmal etwas viel, weil es auch so viele Mamas sind und ALLE von ihren Kindern erzählen, aber so grundsätzlich funktioniert das.

Es ist allerdings ein Balanceakt. Denn die neuen Mütter müssen denen, die sich gegen Kinder entschieden haben, auch ein bisschen entgegen kommen. Denn NUR davon zu hören wie die Konsistenz des Stuhlgangs des Sprösslings war und wann er was wie wo gemacht hat und wie süüüüüüüüüüüüüß das war, das nervt auf Dauer einfach auch, wenn es sich um nichts anderes mehr dreht.
Zwei Mütter haben mir sogar schon davon erzählt was für große Popel sie ihrem Baby aus der Nase gepult haben. Kein Scherz. Ich mein, ich finds ja lustig. Und ich kann die Begeisterung für das eigene Mini-Me ja total verstehen. Alles was sie machen ist toll und einzigartig und süß und ach guck mal, jetzt hats Sand gefressen, siehst du wie süß diese Sand/Sabbermischung ihm da am Kinn runterschlotzt? Sooooo niedlich!!!!

Aber am Ende ist das so, als würde ich über nichts anderes als meine Serien sprechen.
“Da hat der Doctor die Slitheen von Raxacoricofallapatorius fertig gemacht!” “Boah letztens hat Louis Litt  Harvey Specter voll gelinkt und ihm Mike Ross ablabern wollen!” “Da hat doch tatsächlich der Kanima Derek gelähmt und ihn und Stiles nicht aus dem Pool gelassen! Das war so krass!”
Also so in etwa. ^^

Mal, okay. Aber auf Dauer wird das ziemlich nervig.
Bisher läufts bei meinen Mädels und mir gut. Manchmal bin ich schon etwas genervt, das muss ich zugeben.
Aber man muss ja auch bedenken wie so ein Baby Leben verändert. Was für ein Einschlag das ist und was für Veränderungen das im Leben und in den Eltern bedeutet. Und Mütter die zu Hause sind, also Mutterschutz und so, haben ihren Mittelpunkt ja im Kind. Und in allem was mit Kindern zu tun hat. Ich sehe das ja an meiner Nichte. Wenn ich die mal nen Tag nicht sehe hat sie sich schon komplett verändert und kann wieder neue Geräusche machen und besser greifen und so weiter. Da ist die Begeisterung groß und man will das mit der Welt teilen. Und vor allen Dingen mit seiner besten Freundin.

Ich bin froh mich nicht verschlossen zu haben, vor den Veränderungen meiner Freundinnen und bin dankbar dafür, dass die Freundschaften weiterhin so stabil sind, wie sie es immer waren. Einfach weil beide Seiten den Balanceakt schaffen zwischen Kind und Kinderlos.

8 Kommentare bei Kind vs. Kinderlos

  • Abalone  sagt:

    Hehe, kommt mir grad vor, als würde ich hier meine Geschichte/Gedanken lesen ;o)

    Ich hab mich auch für „Augen zu und durch“ entschieden und bei den ganz hartgesottenen Muttis schwächt das Ganze eh grundsätzlich ab dem zweiten Kind ab 😀

  • Conny  sagt:

    Also ich hab mich da nirgends wiedererkannt. *räusper und die Mutterbänder reibe*

    • Nina  sagt:

      JEDE Schwangere hat bisher ihre Mutterbänder erwähnt. Oft. xD

  • Dani  sagt:

    mein wortlaut mit dem windelinhalt ging aber anders! *blblbl*
    aber das mit dem popel war nicht von mir, oder?

    so witzig wie du das geschrieben hast und so schön! ich bin froh dich zu haben trotz meiner „guck mal was der gemacht hat“ ausraster.
    lieb dich! herz*

    • Nina  sagt:

      Ja, ich hab das etwas abgekürzt ^^
      Doch, das mit dem Popel warst du. Du zuerst und ein paar Monate später jemand anderes noch mal ^^

      Ich doch auch und den Brummi eh <3 🙂

  • Mrsfarbulous  sagt:

    Haha, sehr lustig XD ich verstehe dich. Ich bin Mama und mein Kind wird dieses Jahr 10 Jahre alt. Was soll ich sagen, ich verstehe mich mit Müttern nicht. Ich liebe mein Kind, ich habe aber auch eigene Interessen und habe keine Lust mit Müttern über oben erwähnte Themen zu diskutieren. Mit Freundinnen rede ich quasi nie über Kinder Sachen und mit Müttern rede ich ungerne. Ich mag Mütter nicht. Die Meisten halten sich für Heilige und denken, dass das was sie machen das Ulitimum ist und auch bei anderen Kindern klappen muss. Ist es aber natürlich nicht, da jedes Kind anders tickt. So, ich habe auch meine Theorien zu allen Themen, wenn jemand Fragen hat, darf er fragen, sonst behalte ich sie für mich. 🙂 Feddisch 🙂

  • Respekt für die arbeitenden Mamas  sagt:

    […] Da ich selbst keine Kinder habe, werde ich nie in diese Situation kommen. Dennoch empfinde ich absoluten Respekt für jeden Menschen, der egal welche Bildung er hat, auch den einfachsten Job überhaupt verrichtet, um seine Familie zu ernähren. Menschen, die sich nicht zu schade sind, einfach anzupacken, verdienen es bewundert zu werden. Und in sehr vielen Mamas steckt solch Mensch, oft ohne dass die Mamas es selbst bemerken. […]

Sag was dazu!

Sag was dazu!

HTML Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>