Lost in Translation… oder so

Ich war heute Nachmittag unterwegs. Eigentlich wollte ich nur schnell in die Apotheke, meine neuen Schmerzpflaster holen und noch Medis für meine Großtante besorgen.
Ich entschied mich dann noch kurz zu Aldi zu gehen, wo ich meine Oma traf. Väterlicherseits, meine deutsche Omi lebt ja leider nicht mehr 🙁

Ich hab hallo gesagt, sie gefragt wie es ihr geht, sie sagt dann immer: "Bisschen gut, bisschen scheiße!" hihi und sie gefragt ob sie allein ist. Ja, die anderen seien unterwegs.

Erklärung 1: Meine Oma spricht, seit sie in Rente ist, kaum noch deutsch. Nur Bruchstückhaft. Und ich spreche kein Wort türkisch. Ein paar Wörter verstehe ich, aber das wars schon. Sich mit ihr zu verständigen ist immer etwas müßig.

Erklärung 2: Momentan wohnt meine Tante bei ihr. Mit ihren 4 Kindern und dem Mann. In einer fucking 1-Zimmer-Wohnung!!! Weil bei denen renoviert wird. Gott, wie mich das aufregt! Nun geht sie für die ganze Bagage einkaufen. Zu fuß. Alleine. *explodier*

Ich hab sie dann gefragt, ob sie mit mir zurück fahren will. Ja, klar. Sie hat dann gleich den Einkaufswagen voller geladen ^^
Dann dachte ich mir, dass sie sich bestimmt freuen würde, wenn wir in den türkischen Laden fahren würden. Ich muss dazu sagen, dass meine Oma nicht wirklich wie eine Oma war. Eigentlich nie. Zu Geburtstagen wurde sich bei uns so gut wie nie gemeldet. Keiner von der türkischen Seite der Familie, was eigentlich echt traurig ist, aber wenn mans kennt… Also meine Oma und ich haben jetzt kein besonders intensives Oma-Enkel-Verhältnis. Sie ist halt da und ich bin halt da und wir sind halt alle so da. ^^ Aber für mich trotz allem Familie. Und Familie heißt, sich zu helfen. Daher hab ich ihr das angeboten und sie freute sich auch.

Wir sind dann los, bei Aldi wollte sie mir noch meinen kleinen Einkauf bezahlen. Waren nur zwei Euro noch was, aber das wollte ich nicht.
Im Türkischen Laden, in dem ich immer mein Schweinefutter hole angekommen, holt sie ihr Portmonee raus und will mir 15 Euro in die Hand drücken. Ich hab erstmal geguckt wie ein Auto und dann checkte ich, dass sie es mir schenken wollte, als Dankeschön. Ich habs nicht angenommen. Wir haben einen Moment diskutiert, bis ich ihr begreiflich machen konnte, dass das von Herzen kommt was ich tue und ich dafür nicht bezahlt werden will. Familie heißt eben füreinander da zu sein. Und ob wir uns nah stehen oder nicht, ich lasse mich nicht dafür bezahlen, dass ich was für meine Oma tue.

Sie lächelte dann… so hab ich sie glaub ich noch nie lächeln sehen. Ganz liebevoll… mit den Augen. Das war Bezahlung genug. Alle nehmen von ihr. Ihre Kinder nutzen sie teilweise aus, lassen sich die Kohle in den Arsch blasen. Sie sagt: "Nina, du kein Arbeit, du keine Geld. Ich geld, also ich helfen!" Das ist super süß und das wird ausgenutzt, das weiss ich. Ich bin aber nicht so. Mein Vater meinte: "Nimm doch! Die Anderen nehmens doch auch!" Damit möchte ich aber nicht auf einer Stufe stehen.
Am Rand: Wenn ich von der türkischen Seite der Familie rede, ist mein Vater nicht gemeint. Der ist so ziemlich der Einzige, der keine Almosen braucht. Der was geschafft hat. Der keine Almosen annimmt. Tja und ich bin halt seine Tochter. Ich habs vielleicht nicht zu viel gebracht bisher, beruflich gesehen. Aber ich kann behaupten, dass ich Werte habe und ein halbwegs anständiger Mensch bin ^^

Wie dem auch sei. Ich will meine Verwandten ja nicht schlecht machen, aber wenn ich manchmal so Sachen höre… und wenn ich sehe, dass meine zierliche kleine kranke Oma alleine durch die Hitze zu Aldi stackst, um Essen für ihre erwachsene Tochter plus Anhang kauft, dann könnte ich kotzen.

So. Jedenfalls waren wir dann da im Laden und es war sicher ein lustiger Anblick. Ich geh da ja schon lange hin, mindestens ein Mal die Woche. Man kennt mich da und es hat sicher keiner erwartet, dass ich da mit ner kleinen, Kopftuch tragenden Omma antanze ^^ Das verrieten mir jedenfalls die Blicke ^^

Sie versuchte mir dann dauernd Sachen anzudrehen und fragte mich auf türkisch ob ich dies oder das brauche ^^ "Nein, Babanne*, ich brauch nichts, Kühlschrank voll, war gestern viel einkaufen!" *lach*  
Sie war recht schnell fertig und wir gingen zur Kasse. Da plauschte sie dann mit der Kassiererin auf türkisch und erzählte ihr, dass ich ihre Enkelin bin. Ganz stolz, das fand ich so knuffig! Die Kassiererin war ganz überrascht… sach ich doch *lol*
Vielleicht hielt man mich erst noch für ihre Pflegerin xD

Zu Hause angekommen trug ich ihr ihre Einkäufe hoch (hat ganz schön zugeschlagen hihi) und hab sie für Samstag eingeladen wieder mitzukommen, da muss ich dann nämlich Schweinchenfutter holen ^^

Es war echt lustig. Das war das erste mal in meinem Leben, dass ich mit ihr alleine war. Sie ist echt ne schrullige kleine Frau. Ich beobachte sie gerne. Bald fliegt sie in die Türkei und wird da ein paar Monate verbringen. Das wird ihr gut tun. Weit weg von der nervigen Bagage. Sie sagte auch "Immer Stress, Stress, denken, denken, denken. Koffschmers! Suhause Türkei nix Koffschmers. Swei Jahre nix Hause. Türkei ich gesund."
Ich freu mich für sie! zwei Jahre hat sie ihre Freundinnen nicht gesehen. Hier hat sie keine. Wir leben hier auch in einer nicht so Türkenreichen Gegend wo sie schnell Anschluss finden könnte… Deswegen wird das schön für sie wieder zu Hause zu sein.
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Joa, ende der Geschichte ^^ Ich find grad nicht so den Absprung xD Daher:

Weitermachen!!!!!

 

*= Babanne ist das türkische Wort für Oma Väterlicherseits. Mütterlicherseits wäre es Anneanne. Und wir sagen halt das statt Oma 🙂

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3 Kommentare bei Lost in Translation… oder so

  • Steph85  sagt:

    Hach was ne süße Geschichte 🙂
    Meine Oma mütterlicherseits ist die liebste auf der Welt, auch wenn sie zur Zeit sehr abbaut und viel mit dem demenzkranken Opa zu tun hat, der echt langsam in ein Heim gehört, aber beide sind voll stur und so…na ja das ist jedenfalls meine liebe Oma. 🙂
    Die böse Oma ist sozusagen meine Stiefoma väterlicherseits, sie ist schon immer recht herzlos gewesen, kann nicht wirklich lächeln, hat kein Interesse an uns usw.
    Wenn wir etwas geschenkt bekommen, dann total willkürlich, teilweise bekommt meine Schwester was zu Weihnachten und ich nicht, solche Sachen eben. Ist mir auch egal, ich brauche nichts, aber meine Mutter regt sich tierisch drüber auf und fragt sich immer wie man so sein kann. Ich dachte eben es liegt daran, dass ich nicht ihre richtige Enkelin bin, aber ihre „echten“ Enkel behandelt sie auch so, da geht sie nicht mal quer über die Straße um zum Geburtstag zu gratulieren -.-
    Na ja Familie ist schon immer so ne Sache für sich, die kann man sich halt nicht aussuchen 😉

  • Uli  sagt:

    Die Story ist echt süß! Es freut mich, zu sehen, dass es noch andere Leute gibt, die ihrer Oma nicht alles aus der Tasche leiern wollen. Ich hab eine sehr liebe Oma, die steckt uns zwar auch ab und zu Geld zu, aber das hat sie schon immer gemacht. Ausreden bringt da auch nichts, denn dann findet man es später in seiner Tasche!^^ Ich mag meine Oma aber auch so! 😀

  • Dani  sagt:

    Das ist echt eine süße geschichte! Deine oma ist total knuffig! Leider verstehe ich sie nicht wenn sie was sagt aber ich höre ihr gern gespannt zu und wundere mich dann dass du ihr sogar antworten kannst. Wo ich mir nur so denke „hä? Worum gehts hier?“

    Am geilsten ist immenoch die geschichte mitm parkplatz lol

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