Samstags einkaufen – Ein Muss für jeden Masochisten

Ich versuche es zu vermeiden wo es geht aber heute musste ich es tun. Es ist Samstag Mittag und ich muss einkaufen. Also fahre ich los. Die Straßen sind voll und die Leute bescheuert. Alle fahren wie rücksichtslose Hirnamputierte. Ich auch. Warum? Je schneller es geht, umso schneller bin ich wieder zu Hause. Und was die können, kann ich schon lange.

Ich komme bei Lidl an. Nur kurz. Gemüse für die Schweinchen holen. Geht ja schnell. Ich fahre auf den Parkplatz und denke: “Träum weiter! Nix schnell!”
Knüppeldickevoll. Prima! Ich quetsche mich in eine der wenigen freien Parklücken. Quetschen deswegen, weil manche Leute einfach zu dämlich sind Parkplätze richtig zu benutzen. Vielleicht sollte man da jemanden hinstellen, der diesen Vollidioten sagt wozu diese dunkelgrauen Linien da sind.
Ich atme ein paar mal tief durch, kontrolliere die Schminke – nix verschmiert vom Heulanfall aus lauter Verzweiflung über die Sonntagsfahrer – und steige aus. Durch den Kofferraum, denn die Tür ist ja zu geparkt. Ich klemme den Querparkern einen Zettel an die Windschutzscheibe mit einer detaillierten Erklärung plus Zeichnung wozu die bunten Linien auf dem Boden da sind. Steht ja keiner da ders erklärt……

Ich laufe Slalom durch die Menschenmenge die sich vor dem Eingang angesammelt hat. Alle packen ihre Einkäufe VOR dem Ein- und Ausgangsbereich zusammen, damit sie nicht extra mit dem Wagen zum Auto müssen. Sehr clever! Ich komme bei den Einkaufswägen an. Drei sind noch da. Hurra! Fühlt sich an wie ein Lottogewinn einen Wagen abbekommen zu haben! Ich frage mich, ob man überhaupt noch durch die Gänge kommt. Wie viele Wägen sich wohl insgesamt im Laden befinden?

  Ich habe es geschafft mich mit dem Wagen durch die Traube der vor-der-Tür-Einpacker zu manövrieren. Ich bin stolz und erleichtert kein Kind überfahren zu haben. Ich erspähe in der Ferne mein Ziel: den Gemüsestand. Den direkten Weg kann ich nicht nehmen, ich komme nicht durch den Gang. Ich weiche auf den Nebengang aus und werde direkt aufgehalten. Pringles im Sonderangebot für 99 Cent! Schnäppchen, einpacken!
Verdammt! Ich habe zu lange gebraucht. Zehn Sekunden reichten. Gang zwei ist dicht. Ich weiche auf Gang drei aus. Ich kann mir halsbrecherisch den Weg da durch bahnen und komme am Ziel an. Und wie durch ein Wunder gibt es auch noch Gemüse! Es gibt alles und das auch noch frisch! Halleluja! Ich greife mir 6 große, knackige Eisbergsalate, einen dicken Packen Selleriestangen, ich kann mein Glück kaum fassen! Und jemand hat zwei Büschel Möhrengrün zurück gelassen! Welch ein Wunder! Ich lade meinen Wagen voll und voller. Von jedem, was Schweinchen dürfen, etwas. Die werden sich freuen!

  Ich schaffe es, alles was ich brauche zu ergattern. Auch wenn ich oft die Richtung ändern muss, weil sich plötzlich, wie aus dem Nichts alles staut und und man nirgends vorbei kommt. Ich überlege einen Moment, ob ich mich meiner Kleidung entledige und in meinem Spiderman Kostüm die Wände hoch krabbel. Würde mir Zeit sparen. Aber ich könnte den Wagen nicht mitnehmen. Das bringt ja dann nichts. Ich lasse es.

Ich schaffe es auch so zu den Kassen vor zu dringen. Ich stelle mich an. Eine Frau stellt sich mit ihrem Wagen neben mich. Bleibt neben mir stehen. Wenn die Schlange sich bewegt geht sie mit mir synchron einen Schritt nach vorne. Ich frage mich, warum sie das tut. Weiß sie nicht, dass man sich bei Kassen hintereinander und nicht nebeneinander anstellt? Vielleicht sollte man auch hier jemanden hinstellen der den Leuten das erklärt. Ob ich ihr auch eine Zeichnung machen sollte? In dem Moment als ich meine Tasche öffne um einen Stift heraus zu holen, stellt sie sich hinter mich. Okay, das hat sie sich sicher bei den anderen abgeguckt. Fräulein Schlauschlau! Die Schlange ist lang und ich stelle fest, dass ich ungünstig stehe. Ich möchte meine Position verändern und merke, dass die Fräulein Schlauschlau mir ihren Wagen gegen den Po drückt.
Ich gehe einen Schritt nach vorn, weil es weiter geht. Ihr Wagen drückt sich immer noch gegen meinen Po. Vielleicht sollte ich ihr den Unterschied zwischen Kette und Schlange erklären. Ich bin aber leicht angesäuert und regele das anders.

Ich drehe mich um und teile ihr mit, dass der Widerstand gegen den sie da mit ihrem Waren stößt, mein Hinterteil ist und dass ich keinen besonderen Wert auf einen Gitterabdruck auf selbigem lege. Ich erkläre ihr, was personal Space ist, dass dieser besonders um die Körpermitte herum zu beachten ist und bitte sie meinen einzuhalten. Sie hat das auch kapiert und zieht ihren Wagen aus meinem Hintern.

Ich lege nun in Ruhe meine Ware auf das Laufband und begrüße fröhlich, da kein Wagen mehr im Hintern, die Kassiererin. Die ist heute besonders nett und legt mir die Ware, die empfindlich ist, direkt in den Wagen. Ich bedanke mich, bezahle und fahre meinen Wagen aus dem Laden. Noch im Ausgangsbereich merke ich, dass ich was vergessen habe und ärgere mich sehr. Ich überlege noch, ob ich mich der Menschenmasse anschließen soll und meine Sachen auch vor dem Eingangsbereich einpacke, sieht so gesellig aus. Aber ich mache das doch lieber am Auto. Als ich fertig bin bringe ich den Wagen weg. Wieder keinen gerammt oder umgefahren. Yesss!
Kurze Überlegung: gehe ich rein, hole was ich vergessen habe (Remoulade) und setze mich dem Terror noch einmal aus oder gehe ich zum Auto, schlüpfe durch den Kofferraum wieder hinein, fahre todesmutig nach Hause und lege mich mit meinen Pringles für 99 Cent ins Bett?

Ich rede mir gut zu und gehe wieder hinein. Betend. Und ich habe es geschafft! Ohne jemanden zu töten oder getötet zu werden. Ich verdiene einen Orden! Denn ich habe währenddessen die ganze Zeit gelächelt ^^

Samstags einkaufen. Wirklich nur was für Hartgesottene 😉

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