Wann bin ich internetsüchtig?

Wir tun es alle – wir nutzen jeden Tag das Internet. Mehr oder weniger intensiv, aber manchmal sicher auch mit dem Gefühl, dass wir schon viel zu lange am Gerät sitzen. Und uns eigentlich um andere Dinge kümmern sollten, aber es ist einfach so schön.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob ihr das Handy einfach in der Tasche lassen könntet? Oder ein Computerspiel mittendrin unterbrechen? Ohne Grund, einfach so, weil ihr das sagt? Wie würde es euch dabei gehen?
Wenn wir ehrlich sind, dann hätten viele von uns damit ein Problem. Solch ein kleines Gerät in der Hand gibt uns doch irgendwie Sicherheit. Wir können uns daran festhalten und haben eine Aufgabe für diesen Moment. Ist das nicht auch schon der Anfang der Sucht? Sich ohne dieses "Etwas" nicht wirklich wohl zu fühlen?

woman-163425_1920Vielleicht ist es unerheblich, wie lange man sich als Erwachsener täglich mit dem Internet beschäftigt. Vielleicht sollten wir uns mehr nach dem "Warum" fragen. Wenn ihr den ganzen Tag arbeitsbedingt recherchieren müsst, dann hat Internet einen ganz bestimmten Sinn. Weil man eine Arbeit macht, die anderen Menschen zugutekommt. Reisen buchen, online einkaufen oder Mails verschicken – auch das hat einen praktischen Hintergrund. Stundenlang im Internet zu spielen, um salopp ausgedrückt die "Zeit totzuschlagen", hat ein anderes Ziel. Das Hervorrufen von bestimmten Gefühlen wie Macht und Sieg.

Wenn das Fehlen des Internets euch unzufrieden macht, solltet ihr beginnen nachzudenken. Wenn euer Denken sich ausschließlich darauf fixiert und sich nach den alltäglichen Verpflichtungen alles in Richtung Internetnutzung bewegt, dann ist Vorsicht geboten. Es ist wie bei einem Alkoholiker, der Stein und Bein schwört, er könne jederzeit aufhören. Wenn er nur will. Bittet man ihn darum, das zu zeigen, wird er ablehnen. Weil ihm der Wille dazu fehlt. Oder anders gesagt, der Wille richtet sich darauf, etwas zu tun. Nämlich auf das Trinken. Hierzulande gelten mindestens eine halbe Million Menschen als Internetsüchtig.

Kinder fallen schneller in die Suchtgefühle als Erwachsene. Weil wir mehr im Denken verankert und dadurch der Gefühlswelt etwas entfernter sind. Ein strukturierter Tagesablauf gibt uns weniger Zeit für die Beschäftigung mit Internet oder anderem Konsum. Und wer von euch viel arbeitet, weiß das aus eigener Erfahrung. Für Kinder hingegen ist es noch schwer, den ganzen Tag dem Denken zu folgen. Was wir am Schulalltag sehen können. Informationen aufnehmen macht müde. Computerspiele spielen putscht auf, weil die Gefühle aufgerufen werden, die ihrerseits für Adrenalinstöße sorgen. Und damit munter machen. Das Gefühl von Lebendigkeit schenken. Diese Ausschüttung von Glückshormonen wird vor allem jüngere Kinder immer wieder in den Bann des Internets ziehen. Vor einem präventiven eingreifen sollten Eltern nicht zurückschrecken. Kinderschutzprogramme bieten die Funktion den Internetkonsum zeitlich einzugrenzen aber ob das die Kinder nicht in die nächste mediale Sucht treibt?

Und hier haben wir eigentlich die Lösung des Problems, wenn wir es sehen wollen. Wir tun so viele Dinge, um UNS wieder spüren zu können. Damit ist die Sucht eigentlich ein Ruf an uns, mehr zu tun, bei dem wir uns lebendig fühlen. Was viel mehr direkten Kontakt zu einem anderen Menschen meint.

© Foto geralt / pixabay

3 Kommentare bei Wann bin ich internetsüchtig?

  • Johanna  sagt:

    Gute Frage…ich habe mich das auch schon oft gefragt – auch was die Nutzung des Smartphones betrifft. Beruflich bin ich eh schon viel im Netz unterwegs und die Grenzen zwischen privater und beruflicher Internetnutzung verschwimmen immer stärker, weil ich irgendwie permanent online bin. Auf der anderen Seite finde ich es immer wieder toll, wenn die Kiste im Urlaub aus bleibt…

  • chrissi  sagt:

    Ich hatte bisher 2 Mal Situationen in denen ich gemerkt habe, dass ich mich an der Grenze zur Sucht bewege. Das war einmal zu Beginn meines Studiums, als ich die ersten 2 Wochen einfach noch kein Internet hatte. Ich saß vor meinem lieb gewonnen Computer – und war total ratlos, was ich denn jetzt eigentlich anstellen sollte.
    Davor hatte ich mehrere Jahre meine Freizeit unter anderem mit dem Zusammenbasteln von „Homepages“ verbracht – und mich passender Weise für ein Medieninformatik-Studium entschieden. Aber so ohne Internet, konnte ich nix mehr mit dem Computer anfangen. Eigentlich war das ganz gut, weil ich dadurch vor die Tür gegangen bin und geschaut habe, wo ich da eigentlich gelandet war. 😉
    Das andere Mal war vor ca. 3 Jahren, als ich nach einem „Beinahe-BurnOut“ mein Dienst-Smartphone für meine Auszeit von knapp 3 Monaten meinem Kollegen zur Verwahrung gab. Die ersten Wochen waren wirklich hart. Ständig war dieser Drang da, E-Mails zu checken, bei Facebook reinzuschauen oder einfach nur zu surfen. Das „Festhalten“ beschreibt es schon ganz gut. Ich bin zu der Zeit viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, die das natürlich befeuert haben. Das führte durchaus zu Situationen in denen ich meinen Freund kleinlaut fragte, ob ich denn mal mit seinem Smartphone meine E-Mails abrufen dürfte. Ich könnte ja was verpasst haben. 😉
    Ich habe dann angefangen in den Öffis mehr zu lesen oder auch Musik zu hören. Mitlerweile habe ich einen anderen Job und fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit – das hilft bei der „Trennung“.

    Also ich fürchte, ja, in einem gewissen Rahmen bin ich internetsüchtig. ^^‘

  • Melanie  sagt:

    Wir sind doch alle bisschen internetsüchtig. Nur im Urlaub kann ich mich ganz abschalten und nur ein Handy ohne Smartfunktion mitnehmen. Dann merke ich doch, dass man auch ohne Internet leben kann. Doch spätestens nach einer Woche hat man die Sehnsucht nach bekannten Seiten zu schauen, oder wieder mit Freunden zu chatten, dann ist auch die Bestätigung für die eigene Sucht da. Ich behaupte mal, heutzutage ist man einfach abhängig vom Internet.

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